Pflegegrade

Pflegegrade in DZunehmendes Alter, Krankheit oder körperliche bzw. geistige Einschränkungen können dazu führen, dass Menschen in ihrem Alltag auf Hilfe angewiesen sind. Oftmals werden die pflegerischen Aufgaben zunächst von Angehörigen übernommen. Je stärker aber eine Krankheit oder Behinderung die Alltagskompetenz beeinträchtigt, desto mehr Unterstützung wird benötigt. Ein ambulanter Pflegedienst, eine Tagespflege oder eine stationäre Betreuungseinrichtung entlasten die Angehörigen bei der Pflege, kosten aber zum Teil sehr viel Geld. Die Pflegeleistungen der Pflegeversicherung tragen dazu bei, die Betroffenen zu unterstützen.

Bis Ende 2016 wurde die Bereitstellung von Leistungen aus der Pflegeversicherung durch die drei Pflegestufen geregelt. In einem dreistufigen System mit einer zusätzlichen Härtefallregelung wurden alle Fälle erfasst, die eine Pflege aufgrund von körperlicher Erkrankung oder Behinderung erforderlich machten. Geistige Einschränkungen, psychische Erkrankungen oder Krankheiten wie Demenz und Alzheimer wurden dabei jedoch kaum berücksichtigt und erhielten nicht die notwendigen Leistungen aus der Pflegeversicherung. Mit einem neuen Pflegegesetz sind zum Jahresbeginn 2017 anstelle der Pflegestufen nun fünf Pflegegrade in Kraft getreten. Von dem individuell vergebenen Pflegegrad hängt die Höhe der Pflegeleistungen ab.

Diese Änderungen sollten im Rahmen des Zweiten Pflegestärkungsgesetzes (PSG II) vor allem demenzkranken Älteren die gleichen Pflegeleistungen zusichern wie körperlich Pflegebedürftigen.

Kriterien für die Pflegegrade

  • Das Hauptkriterium für die Einteilung in einen Pflegegrad ist die Zeit, die beansprucht wird, um die Grundpflege einer pflegebedürftigen Person zu sichern. Dazu gehören:
  • Körperpflege: Waschen, Duschen, Baden, Zahnpflege, Kämmen, Rasieren, Blasen- oder Darmentleerung
  • Ernährung: Mundgerechtes Zubereiten oder Aufnahme der Nahrung
  • Mobilität: Selbständiges Aufstehen und Zubettgehen, An- und Auskleiden, Gehen, Stehen, Verlassen und Wiederaufsuchen der Wohnung (z.B. für Arztbesuche, Behördengänge, nicht für Spaziergänge)

Es zählen allerdings noch weitere Kriterien zur Pflegebedürftigkeit. Diese werden allerdings weniger schwer gewichtet als die Grundpflege. Dazu gehört:

  • Hauswirtschaftliche Versorgung: Einkaufen, Kochen, Putzen der Wohnung, Spülen, Wechseln und Waschen der Wäsche

Pflegegrad 1

Eine weitgehende Selbständigkeit ist gegeben; im Pflegegrad 1 gibt es bloß einen Betreuungs- und Entlastungsbeitrag von 125 Euro pro Monat, für Betreuungsgruppen oder Haushaltshilfen, sowie teilweise für die Tages- und Nachtpflege durch Angehörige.

Pflegegrad 2

Mit dem Pflegegrad 2 haben Betroffene das Anrecht auf Pflegegeld für die häusliche Pflege und auf Pflegesachleistungen bei professioneller Versorgung. Das Pflegegeld beträgt monatliche 316 Euro, für Pflegesachleistungen stehen Pflegebedürftigen 689 Euro pro Monat zu. Auch hier gibt es wie bei Pflegegrad 1 einen Entlastungs- und Betreuungsbeitrag von 125 Euro pro Monat für Putz- oder Haushaltshilfen, Spaziergang-Begleitung, Einkaufshilfe, Teilnahme an betreuten Gruppen für gering Hilfsbedürftige oder Menschen mit leichter Demenz.

Pflegegrad 4

Menschen mit Pflegegrad 4 sind in ihrer Selbständigkeit „schwerst beeinträchtigt“. Sie erhalten ein Pflegegeld von 728 Euro für die Pflege zu Hause und Pflegesachleistungen (für Betreuung, Pflege und Haushaltshilfen) von 1612 Euro pro Monat.

Pflegegradeinteilung

Versicherte, die ihren Lebensalltag nicht mehr selbständig bestreiten können, sind auf die Hilfe von Angehörigen oder auf professionelles Personal angewiesen. Doch nicht jeder Mensch benötigt Pflege in gleichem Umfang. Das Spektrum kann von einem wöchentlichen Einkauf bis zur Rund-um-die-Uhr-Betreuung reichen.

Vor diesem Hintergrund werden alle pflegebedürftigen Menschen in Deutschland in ein System aus fünf Pflegegrade eingegliedert, das sich auf die Schwere der Beeinträchtigung und den täglichen Pflegeaufwand (Pflegebedürftigkeit) bezieht. Die Leistungserbringung läuft gestaffelt nach Pflegegrad und gilt auch für Leistungen aus privaten Pflegezusatzversicherungen.

Pflegegrad 3

Menschen mit Pflegegrad 3 sind in ihrer Selbständigkeit stark beeinträchtigt. Sie erhalten ein Pflegegeld von 545 Euro und Pflegesachleistungen (bei Verwendung eines Pflegedienstes) von 1298 Euro pro Monat.

Pflegegrad 5

Menschen mit Pflegegrad 5 sind in höchstem Ausmaß unselbständig und daher stark und rund um die Uhr auf intensive Hilfe und Betreuung angewiesen. Sie erhalten ein Pflegegeld von 901 Euro für die Pflege zu Hause und Pflegesachleistungen (für Betreuung, Pflege und Haushaltshilfen) von 1995 Euro pro Monat.